Hochwasserschutz Burgau

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vorläufigen Stand

Die Stadt Burgau ist in besonderem Maße durch Hochwasserereignisse der Mindel gefährdet.

Im Gegensatz zum restlichen Mindeltal, in dem sich bei Hochwasserereignissen die Mindel über den gesamten Talraum ausbreiten kann, bildet im Bereich der Stadt Burgau die bestehende Bahnstrecke Ulm-Augsburg eine Barriere die einen erheblichen Teil des Talraums abschneidet. Das führt dazu, dass heute der gesamte Hochwasserabfluss der Mindel über den besiedelten Bereich zwischen Bahnlinie und Talflanke erfolgt.

Bei einer derzeitigen Leistungsfähigkeit der innerstädtischen Mindelarme von ca. 65 Kubikmeter pro Sekunde (entspricht etwa einem 5-jährlichen Hochwasserereignis) führen schon mittlere Hochwasserereignisse zu größeren Betroffenheiten im Stadtbereich.

Die Auswirkungen eines solchen mittleren Hochwasserereignisses waren der Auslöser für den Beginn der Planungen zum Hochwasserschutz Burgau.

Beim Hochwasserereignis im April 1994 überflutete die Mindel weite Teile des Stadtgebiets von Burgau, obwohl es sich hierbei "nur" um ein mittleres Hochwasserereignis mit einer Jährlichkeit von ca. 20-30 (HQ20 am Pegel Offingen) handelte.

Hochwasser am 14. April 1994, Ansicht Kleingartenanlage beim FreibadBild vergrössern Hochwasser am 14. April 1994, Ansicht Kleingartenanlage beim Freibad

Studie der Bundeswehruniversität

Das ehemalige Wasserwirtschaftsamt Krumbach beauftragte die Bundeswehruniversität Neubiberg mit der Erstellung eines 2-dimensionalen Abflussmodells der Mindel um die komplexe Situation im Bereich der Stadt Burgau darzustellen und eine erste Variante für den Hochwasserschutz Burgau zu verifizieren.

Diese erste Variante bestand aus einem Rückhaltedamm im Süden, einer Ausleitung auf Flächen östlich der Bahnlinie und zwei weiteren Rückhalteräumen auf der Ostseite.

Die in der Studie der Bundeswehruniversität aus dem Jahr 2000 dargestellte Variante wurde zu Gunsten eines integralen Hochwasserschutzes für das gesamte Mindeltal im Landkreis Günzburg verworfen.

Teilraumgutachten Mindel – "Mindeltalstudie"

In den Jahren 2001-2003 wurde im Rahmen eines vom Freistaat Bayern geförderten Pilotvorhabens ein Teilraumgutachten für das Mindeltal aufgestellt. Der Fokus im Teilraumgutachten wurde auf den Hochwasserschutz gelegt da er als Dreh- und Angelpunkt für die weitere Entwicklung im Mindeltal gesehen wurde.

Es wurde ein umfangreiches hydraulisches Modell für das gesamte Mindeltal erstellt, mit dessen Hilfe insgesamt sechs Varianten mit unterschiedlichen Kombinationen von zentralen und dezentralen Rückhalteräumen entwickelt und untersucht wurden.

Am Ende dieses Prozesses haben sich die Mindeltalgemeinden gemeinsam mit dem Freistaat Bayern für die Umsetzung der Variante 6a (zentraler Ausgleich des verlorengegangenen Retentionraums in drei Hochwasserrückhaltebecken) entschieden.

Für den Hochwasserschutz Burgau war in dieser Variante vorgesehen ein Hochwasserrückhaltebecken im Süden, eine Ausleitung unter der Bahnstrecke und eine Flutmulde entlang der Bahnstrecke auf der Westseite des Scheidgrabens zu errichten.

Flutmuldenproblematik

Im Rahmen der weiteren Planungen zum Hochwasserschutz Burgau wurde die vorgesehene Flutmulde vertiefter untersucht.

Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf den organischen Deckschichten, der obersten Bodenschicht, die in Abhängigkeit Ihrer Mächtigkeit, eine abdichtende Funktion zum Grundwasser haben kann. Diese organische Deckschichten sind im Bereich um Burgau weit verbreitet, variieren aber stark in Ihrer Dicke.

Für die Flutmulde hätten etwa die obersten 0,5 Meter des bestehenden Geländes entfernt werden müssen. Da die Auswirkungen dieses Bodenabtrags auf die Grundwasserverhältnisse nur schwer abzuschätzen waren, wurde ein umfangreiches Grundwassermodell erstellt, dessen Eingangsparameter eine Untersuchung der vorhandenen Deckschichten im 1x1 Meter Raster war.

Die Modellberechnungen haben gezeigt, dass die Umsetzung der Flutmulde gravierende Folgen gehabt hätte:

  • Gefahr eines hydraulischen Grundbruchs in weiten Teilen der Flutmulde
  • Flutmulde wäre über weite Zeiträume eines Jahres eingestaut gewesen
  • Großflächige Offenlegung des Grundwassers als Gefahr für den Grundwasserschutz

Hinzu kamen die nicht zu vernachlässigen Entsorgungskosten des mit geogenem Arsen belasteten Aushubsmaterials. Die Flutmulde wurde aus diesen Gründen verworfen.

Weiterentwicklung des Hochwasserschutzes Burgau

Mit der Nichtumsetzbarkeit der Flutmulde folgte eine intensive Abstimmungsphase mit allen Beteiligten und Betroffenen des Hochwasserschutzes Burgau.

Während dieses komplexen Prozesses wurden die Planungen immer wieder überarbeitet, angepasst und verbessert um im Spannungsfeld der Interessen aller Akteure eine mögliche Konsenslösung zu erarbeiten.

Insbesondere wurden:

  • Innerstädtische, abflussverbessernde Maßnahmen, die die Leistungsfähigkeit der Mindelarme erhöhen, in die Planung aufgenommen.
  • Das Hochwasserrückhaltebecken auf das maximal mögliche Volumen vergrößert.
  • Eine Abflusskorridorlösung entwickelt, die dazu führt, dass Flächen östlich der Bahnlinie außerhalb der Gemarkung Burgaus seltener beaufschlagt werden.
  • Ein Rückleitungskorridor mit in die Planung aufgenommen, der den status quo des aktuellen Überschwemmungsgebiets bestmöglich erhält.

Am Ende dieses Prozesses steht mittlerweile die Konsensvariante des Hochwasserschutzes Burgau.

Weiteres Vorgehen

Mit Vorliegen der Konsensvariante konnte zum ersten Mal im Vorhaben die Phase der Vorplanung abgeschlossen werden und eine Kostenschätzung erstellt werden. Diese beläuft sich mit Stand 2016 auf rund 61 Million Euro.

Die Kosten für den Hochwasserschutz Burgau haben somit eine Größenordnung erreicht, die weitere, in früheren Planungsphasen auf Grund Ihrer hohen Kosten ausgeschlossene, Varianten in den Bereich der Konkurrenzfähigkeit bringt. Hierbei handelt es sich um Varianten der Hochwasserableitung auf der Westseite der Bahnlinie.

Um im öffentlich-rechtlichen Genehmigungsverfahren eine ordnungsgemäße Abwägung nachweisen zu können, sowie aus haushaltsrechtlichen Gründen, ist es notwendig diese Varianten vertiefter zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird aktuell eine Machbarkeitsstudie erstellt.

Allen Varianten (verworfene und in der Machbarkeitsstudie zu betrachtende) gemein ist allerdings das Hochwasserrückhaltebecken im Süden Burgaus, da es integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts Hochwasserschutz Mindeltal ist. Aus diesem Grund sind auch die Planungen am Hochwasserrückhaltebecken wesentlich weiter fortgeschritten als in den weiteren Abschnitten.

Auf Grund des hohen Gefährdungspotentials hat sich das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, in Abstimmung mit der Stadt Burgau, dazu entscheiden den Planungsvorsprung des Hochwasserrückhaltebeckens zu nutzen und die Umsetzung vorzuziehen.

Das Vorhaben Hochwasserschutz Burgau wird somit in zwei voneinander unabhängige Teile, mit jeweils eigenen Planfeststellungsverfahren getrennt:

  • Stufe I: Hochwasserrückhaltebecken
  • Stufe II: Weitere Abschnitte