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Aktionsprogramm, ökologische Flutung oder Grundwassereinfluss. Es gibt viele Fragen. Hier finden Sie Antworten zu häufig gestellten Fragen:

Fragen und Antworten - PDF

Öffentlichkeitsbeteiligung 2017

Besichtigungsfahrt Hochwasserrückhalteraum Wörth/Jockgrim

Am 18. Oktober 2017 folgten rund 40 Bürger und Bürgerinnen aus der Region der Einladung des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth zu einer Besichtigungsfahrt zum Hochwasserrückhalteraum Wörth/Jockgrim in Rheinland-Pfalz. Mit 18,05 Mio. m³ Retentionsvolumen auf einer Fläche von rund 448 ha ist sie die größte Rückhaltung am rheinland-pfälzischen Oberrhein.

Die 2013 fertig gestellte Anlage, bestehend aus einer Kombination von einer wieder hergestellten Auenlandschaft (ungesteuerter/natürlicher Rückhalt) und einer gesteuerten Rückhaltung (Flutpolder), gilt heute als Meilenstein für den Hochwasserschutz am Rhein. Das Raumordnungsverfahren fand hier bereits Mitte der 1990er Jahre statt. Aufgrund der bewegten Historie mit großen Widerständen ist das Projekt ein gutes Beispiel für die Beteiligung und Einbindung der Bevölkerung vor Ort.

Vorstellung des Standorts

In der Gemeinde Neupotz – unweit des Rückhaltes – angekommen, wurde zuerst über den Standort und dessen Entstehungsgeschichte durch den Bürgermeister von Neupotz (der als Landwirt auch die Bürgerinitiative vertritt) und Stellvertreter der SGD (Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd) informiert. Danach ging es direkt zum Rückhalteraum, wo die Deiche, das Schöpfwerk sowie das Ein- und Auslassbauwerk besichtigt wurden – zwei essentielle Gebäude zur Regulierung der Wassermassen bei Hochwasser.

Bei Hochwasser fließt das Wasser durch das Ein- und Auslassbauwerk in den Rückhalteraum hinein und nach dem Hochwaser wieder abBild vergrössern Bei Hochwasser fließt das Wasser durch das Ein- und Auslassbauwerk in den Rückhalteraum hinein und nach dem Hochwaser wieder ab

Auch die Landwirtschaft und der Kiesabbau im Flutpolder sowie die Nutzung der Wege zur Naherholung waren ersichtlich.

Der Hochwasserrückhalteraum Wörth/Jockgrim ist ein wichtiger Baustein zur Wiederherstellung einer besseren Hochwassersicherheit am Oberrhein. Die Flutung des gesteuerten Rückhalteraums (Flutpolder) ist dort vier- bis fünfmal im Jahrhundert zu erwarten. Der ungesteuerte Rückhalteraum dämpft hingegen kleine und mittlere Hochwasserereignisse.

Vor Ort beantworteten Vertreter der SGD und eine Vertreterin der Landwirtschaftskammer Fragen zur Funktionsweise der Bauwerke sowie zu den Planungen des Großprojekts und des derzeit laufenden Flurneuordnungsverfahrens (Neuordnung des land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitzes). Ein wichtiger Punkt waren Aspekte der Landwirtschaft: 70 % der Fläche in der Hochwasserrückhaltung werden landwirtschaftlich genutzt. Innerhalb der Anlage wird zudem Kiesabbau betrieben. Durch eine neue Anbindung an die nahe gelegene Bundestraße, welche auch für den Bau genutzt wurde, fahren die Kies-Transporte heute nicht mehr durch die Ortslage Neupotz. Im ungesteuerten Rückhalteraum werden zukünftig extensive Landwirtschaft und ökologische Kompensationsmaßnahmen durchgeführt.

Im Zentrum der Besichtigungsfahrt stand der Informationsaustausch: die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beteiligten sich sehr intensiv und mit umfassenden Fragen. Sie konnten sich ausführlich mit dem Bürgermeister von Neupotz, seinem Stellvertreter, einer Vertreterin der Landwirtschaftskammer und den Vertretern der SGD austauschen und sich über den Entstehungsprozess des Rückhalteraums informieren. Besonders in Bezug auf die Einigung mit der Bevölkerung und umgesetzte Maßnahmen zur Erhaltung des Naturhaushalts und Landschaftsbilds sowie zur landwirtschaftlichen Nutzung konnten viele Fragen besprochen werden. Dabei wurde auch deutlich, welch langer und umfangreicher Planungs- und Klärungsprozess mit einem solchen Projekt verbunden ist.

Projekt mit bewegter Historie

Den Abschluss der Besichtigungsfahrt bildete ein Besuch des Rheinauen- und Hochwasserschutzinformations- zentrums in Neupotz. Das ehemalige Fachwerkhaus wurde in Kooperation mit der Gemeinde – im Rahmen des 2003 eingeführten Projekts "Leben am Strom" – umgebaut und war eine der Maßnahmen, um der Bevölkerung vor Ort und der damals gegründeten Bürgerinitative "Kein Polder Neupotz", entgegen zu kommen. Auf Schautafeln, interaktiven Bildschirmen und an Hörstationen erhielten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Eindrücke vom Kampf der Menschen gegen das Hochwasser früher und heute. Der letzte Programmpunkt der Besichtigungsfahrt war nochmals mit der Gelegenheit verbunden, Fragen zu stellen, bevor sich die Gruppe per Bus wieder auf den Weg zurück nach Schwaben machte.

Hier finden Sie die Infomappe zur Besichtigungsfahrt:

Startschuss des Hochwasserschutz Aktionsprogramms Schwäbische Donau

Im Dezember 2016 stellte Umweltministerin Ulrike Scharf das HochwasserschutzAktionsprogramm Schwäbische Donau vor. Dieses führt wichtige Erkenntnisse aus Bedarfsplanung und Hochwasserdialog zusammen: Neben verbessertem Grundschutz an Donau und Nebengewässern und der Untersuchung von Staustufen, enthält das Konzept auch ein erweitertes Rückhalteprojekt mit sechs ungesteuerten Rückhalteräumen – wie z.B. Deichrückverlegungen – und drei Flutpolderstandorte an der Schwäbischen Donau.

Untersuchen und Planen

Bevor an die konkrete Planung von Rückhaltemaßnahmen gegangen werden kann, bedarf es einiger wichtiger Grundlagenuntersuchungen.

In 2017 und mindestens bis Ende 2018 werden die umfangreichen Untersuchungen für das Raumordnungsverfahren über alle neuen Rückhalteräume durchgeführt. Diese umfassen im Wesentlichen:

  • Erweiterung der Datengrundlagen über die Gewässer, die Flora und Fauna, das Grundwasser und den Untergrund mit Vermessungen, Abflussmessungen, Rammkernsondierungen, naturschutzfachlichen Kartierungen, usw.
  • Aufbau und Einsatz umfangreicher Computer-Modelle: Unter anderem müssen die Grundwasserverhältnisse entlang der Schwäbischen Donau adäquat untersucht werden, um negative Auswirkungen für bestehende Bebauungen und Trinkwassergewinnungen sowie weitere sensible Nutzungen ausschließen zu können.
  • Technische Untersuchungen bzw. Erarbeitung der technischen Ausformungen für Deiche und alle weiteren Bauwerke. Dies umfasst die Verläufe, die Höhen, die Einpassung in das Gelände, usw.
  • Umweltplanung: Naturschutzfachliche Untersuchungen ermitteln die Betroffenheit der Naturräume, ob und welche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich sind.

Auf dieser Basis werden erste umfassende Unterlagen erstellt und das gesamte erweitere Rückhalte-Projekt mit all seinen neun Rückhalteräumen wird in einem sogenannten Raumordnungsverfahren auf seine Verträglichkeit für die Region hin untersucht.

Nur wenn die Raumverträglichkeit gegeben ist, erfolgt eine detaillierte Planung und es kommt zum öffentlichen Planfeststellungsverfahren. Wird im Ergebnis dessen ein Genehmigungsbescheid erteilt, so kann mit Ausführungsplanungen und anschließend dem Bau der einzelnen Vorhaben begonnen werden.

Geplanter Zeitverlauf Bild vergrössern Geplanter Zeitverlauf

Bereits im Sommer 2016 wurden Hochwasserberechnungen für die Donau und den umgebenden Grundwasserleiter in einem europaweiten Auswahlverfahren in Auftrag gegeben. Diese großräumigen modelltechnischen Untersuchungen für Hydrologie, Morphologie, Hydraulik und Grundwasserhydraulik reichen von Neu-Ulm bis zum Lech und befinden sich bei einer Arbeitsgemeinschaft von Ingenieurbüros in Bearbeitung. In diese Modelle werden umfangreiche, bereits vorhandene Daten, wie zum Beispiel zu Geländehöhen, Grundwasserständen, Niederschlägen, Flächennutzung, dem vorhandenen Untergrund sowie Abflüssen, einbezogen.

Datenerhebung und Grundlagen

Datenerhebungen im Jahr 2017

Im Jahr 2017 werden weitere wichtige Daten vor Ort erhoben, um ein möglichst umfassendes Bild zu Grundwassersituation und Abfluss zu erhalten:

  • Am 15. und 16. März wurden durch das Wasserwirtschaftsamt an zahlreichen Gräben in der Donau-Niederung Abflussmessungen durchgeführt. Zwischen diesen Gräben und dem Grundwasser gibt es Wechselwirkungen. Ziel ist es, die über die Gräben abgeführten Grundwassermengen zu erfassen. Die Messungen bei trockenen Bedingungen bilden hier Bilanzgrößen für das Grundwassermodell. In Kürze werden zusätzlich drei kontinuierliche Abflussmessstellen eingerichtet. Eine zweite umfassende Messung ist für Anfang 2018 vorgesehen.
  • Von März bis Mai 2017 erfolgten Vermessungen durch ein im Auftrag des Wasserwirtschaftsamt Donauwörth arbeitendes Vermessungsbüro. Hierbei geht es um die terrestrische Vermessung projektrelevanter Geländestrukturen, wie z.B. Gräben. Alle Daten wurden anschließend in der Verwaltung geprüft und gehen in die großräumigen Modelle ein.
  • Weiterhin werden die oberen Meter des Untergrundes durch zahlreiche Rammkernsondierungen und Versickerungsversuche in 2017 analysiert. Bohrungen, die teilweise zu Grundwassermessstellen ausgebaut werden, befinden sich ebenfalls in Vorbereitung.
  • Auch die bereits 2016 begonnenen Kartierungen über die Zusammensetzung der Pflanzen- und Tierwelt durch ausgewählte Fachleute in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt werden großflächig fortgeführt. Diese Arbeiten an den naturschutzfachlichen Kartierungen werden das ganze Jahr 2017 über andauern.

Erweiterung des Sondermessnetzes Grundwasser

Das Sondermessnetz für das Rückhalte-Projekt umfasst bereits zahlreiche Grundwassermessstellen. Es überwacht die Grundwasserstandsentwicklung sowohl in trockenen als auch in "nassen" Phasen, z.B. bei Donau-Hochwasser. Langfristig wird es auch die Auswirkungen der konzipierten Rückhalteräume als Bestandteil der Beweissicherung überwachen.

Dafür werden Grundwassermessstellen genutzt, die über die komplette Donau-Niederung verteilt sind. In bereits vorhandene Messstellen werden sogenannte Datenlogger eingehängt. So werden stündlich die Daten erfasst und später diese Stundenwerte in zentralen Datenbanken beim Wasserwirtschaftsamt geprüft und gespeichert. Durch die Aufzeichnung der Grundwasser-Schwankungen können wertvolle Informationen gewonnen werden. Insbesondere bei Donau-Hochwasser kann die Ausbreitung der Druckwelle im Grundwasser somit sehr gut mitverfolgt werden.

Zusätzliche Grundwassermessstellen sind in Planung. Diese Grundwassermessstellen ergänzen dann das bereits großräumig mit Datenerfassungsgeräten ausgestattete Sondermessnetz Grundwasser auf über 100 Grundwassermessstellen.

Die Wasserwirtschaft ist bei dieser Grundlagendatenerfassung auf die Mithilfe der Region in Form von Gestattungen für diese Untersuchungen, soweit möglich auf öffentlichen Grundstücken, angewiesen. Dankenswerterweise wurden bereits sehr viele Gestattungen erteilt, sodass die Arbeiten gut voran schreiten.